Horatio di Vincetta

Fraglos ein Kämpfer durch und durch: rund 9,5 Spannen hoch, breitschultrig, bullig, schwer gerüstet – doch auf den zweiten Blick finden sich doch einige Kleinigkeiten, die den Mann vom Gros der Schlachtfeldarbeiter unterscheiden.

Zunächst einmal wäre da das Gesicht des Endzwanzigers, das sich nicht durch die heutzutage so oft präsentierte Makellosigkeit auszeichnet – ganz im Gegenteil. Diverse helle Narben zieren die eigentlich recht ebenmäßigen, wettergegerbten Züge mit den hellgrünen, fast schon gelblichen Augen. Die auffälligsten ziehen sich dabei zum einen von der Stirn über die linke Braue weiter nach unten, zum anderen links seitlich am Schädel hinauf, wobei letzterer Hieb den Mann auch das obere Eckchen seines Ohres gekostet hat – aber auch noch weitere Verletzungen haben ihre hellen Spuren in seinen Zügen und auch halb verdeckt unter den kurz geschorenen dunklen Haaren hinterlassen – und zeichnen ein Gesamtbild, das sich durch raue Attraktivität auszeichnet.

Zum zweiten wären da seine Waffen – ein etwas in die Jahre gekommenes Zweihandschwert, das meist in seiner Lederscheide über der Schulter getragen wird und als Seitenwaffe ein Breitschwert – eine Waffengattung, die sich im modernen Horasreich beinahe nur noch in Museen bestaunen lässt. Als dritte Klinge baumelt auf der anderen Hüftseite noch ein robustes Kurzschwert – alle drei Waffen sind von schlichter aber handwerklich guter bis hervorragender Machart. Ergänzt werden diese Klingen durch einen Vollmetallbuckler, der offensichtlich schon diverse Hiebe abfangen musste und über dem Kurzschwert an den Gürtel geschnallt ist.

Zum dritten wäre da seine Rüstung: ausgetretene Stiefel, eine robuste Lederhose, lederne Handschuhe, sowie Arm und Beinschienen aus starrem Leder, dazu eine schlichte Sturmhaube und ein wattiertes Unterwams – soweit, so gewöhnlich – jedoch trägt er über dem Unterwams einen rückenfreien Kürass, auf dessen linker Brustseite ein Wappen aufgemalt ist – ein stehender weißer Hase auf grünem Grund, eingeschlossen von dem Schriftzug 'Leones Lepore'. Ansonsten sind die Rüstungsteile vorbildlich gepflegt, weisen jedoch durchgängig diverse Reparaturspuren auf. Dies gilt auch für den ledernen Fuhrmannsmantel, den der Kämpfer in der kalten Jahreszeit über der Rüstung trägt.

 

Das Wappen: Liebhaber der erheiternden Wissenschaft der Heraldik können dieses Wappen sicherlich zuordnen, gehört es doch zu den einprägsamen Kuriositäten der horasischen Adelsbilder. Das Haus di Vincetta war zwar immer ebenso arm wie politisch unbedeutend, jedoch gehört es zu den ältesten Geschlechtern der Gerondrata. Wie viele andere auch, folgte Horatios Vorfahr seinerzeit nicht dem Ruf der schönen Kaiserin und lud so keine Blutschuld in der zweiten Dämonenschlacht auf sich – anders, als die meisten Adeligen der südlichen Regionen reagierte er jedoch auf die Niederlage der Hela Horas, bevor ihn der Zorn der Garether treffen konnte und wandelte das ursprüngliche Wappen des Hauses – den stehenden weißen Löwen auf grünem Grund kurzerhand in einen Hasen um – ein Spottwappen, das seine Schande ausdrücken sollte, nicht auf der 'richtigen' Seite an der Schlacht teilgenommen zu haben. Tatsächlich entging der bescheidene Familienbesitz in der Folge sämtlichen Reparationsforderungen.

Ein auffallend großer Anteil der di Vincettas fand sich in den folgenden Jahrhunderten in den Listen der Rondrageweihtenschaft und unter den ausgezeichneten Kriegshelden wieder, so dass dem Wappen irgendwann der Schriftzug Leones Lepore hinzugefügt wurde, also sinngemäß „die Löwen mit dem Hasen“.


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